Arctium Lappa - Große Klette "Arctium Lappa" (Große Klette) - Kein Virus, sondern eine Wiesenblume

Gefühle im Umbruch

Anfang des Jahres, als sich das neuartige Corona-Virus in China verbreitete, dachte ich, dass sich das bald legen würde. So wie SARS im Jahr 2003, als ich in die Philippinen flog, um Evelyn zu heiraten. Aber ich machte mir Gedanken, als sich die Krankheit in Asien rasant verbreitete, war aber zuversichtlich, dass sich die wenigen Fälle, die in Europa und Amerika auftauchten, bald unter Kontrolle bringen ließen.

Als sich aber die Krankheit fast über Nacht in Heinsberg in Deutschland, in Italien und Österreich schlagartig ausbreitete, erlebte ich ein Gefühl, dass ich sonst nur hatte, wenn ich aus einem Alptraum erwachte. Mit dem Unterschied, dass er mit dem Aufwachen nicht endete. Im Gegenteil, er fing gerade erst an. Corona war schon überall.

Ich wurde von meinem bisherigen Arbeitgeber zunächst beurlaubt, weil ich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln pendelte und man wollte das Risiko verringern, dass ich das Virus von draußen mitbringe. Die Krankenhäuser in Berlin richteten sich in der Zeit bereits auf die zu erwartenden Patienten ein.

Dann gab es Komplikationen nach einer urologischen Untersuchung und ich wurde mit Blaulicht ins nächste Krankenhaus gefahren. Raus aus dem "sicheren" Zuhause in eine neue Umgebung, wo ich nicht wusste, wem ich begegnete. Angst. Ich betete, dass Jesus bewahren würde. Große Schmerzen. Ich betete, aber die ließen nicht nach.

Nach der Notaufnahme kam ich auf Station. 4-Betten-Zimmer. Vier in einem Zimmer? Mund-Nasenschutz? Nee. Ich wünschte mich weit weg. Hin und wieder schlief ich ein, wachte aber wieder auf. Betete dann für alles, was mir einfiel. Ich fühlte mich allein. Es war mir ein Rätsel, warum ich das alles in dieser Krisenzeit durchmachen musste. Immerhin hatte die Behandlung Erfolg, sodass ich am nächsten Tag entlassen wurde. Dankbar zu Gott, dass ich's geschafft hatte.

Anfang April ging ich wieder zur Arbeit. "Mulmiges Gefühl" wäre nicht ganz richtig, um meine Emotionen zu beschreiben. Angst wäre der bessere Begriff. Angst, sich unterwegs oder auf Arbeit mit Corona zu infizieren. Aber ich wusste, dass es Gottes Wille war, solange treu zu dienen, wie mein Arbeitsvertrag lief - bevor der neue Vertrag mit CFI beginnt. Unsicher und schweren Herzens setzte ich mich also in den Zug...

Jeden Tag tauchten neue schlechte Neuigkeiten über die Eigenschaften des Virus auf und über die Entwicklung, die die Pandemie einschlug. Und da war es wieder, letzte Woche bei der Arbeit: das "Alptraumgefühl", diese schon panische Angst, die beinahe greifbar neben mir sass und mir ins Ohr zu flüstern schien: "Breitenbach, Du bist verratzt!" Kennt Ihr das Gefühl, wenn sich der Bauch plötzlich so seltsam hohl anfühlt und der Bauchnabel sich mit dem Rippenbogen anfreunden zu scheint?
Ich weiß nicht mehr wodurch ich darauf aufmerksam wurde, was Jesus im Lukasevangelium sagte:
"Wer von euch kann mit all seiner Sorge sein Leben auch nur um eine kleine Spanne verlängern?" (EÜ, Lukas 12, 25).
Stimmt. Mit aller Angst, Panik und Sorge wird mein Leben nicht um einen Hauch länger. Mein Leben liegt in Gottes Hand. Mir wurde leichter um's Herz. Nicht dass ich plötzlich unbesiegbar war. Nein. Meine Verletzlichkeit ist immer noch dieselbe. Aber ich erinnerte mich, dass mein Leben nach wie vor in Gottes Hand liegt.

Ich bewege mich jetzt immer noch vorsichtig durch diese "neue" Welt, trage Mund-Nasen-Schutz, den mir Evelyn liebevoller Weise genäht hat, freue mich daran, dass er besser aussieht, als der der anderen, wasche mir sorgfältig die Hände, benutze Handdesinfektion, halte Abstand und bin traurig über die Zeitgenossen, bei denen der Ernst der Lage noch nicht angekommen ist und schlage Haken um diese Menschen, um halbwegs auf den Sicherheitsabstand zu kommen. Was aber anders ist, ist mein Wissen darum, dass ich jeden Tag von Gott nehmen kann, und dass er mich seinen Weg führt, gleich, was er bringen mag. Ich brauche diese panische Angst nicht mehr zu haben. Und - bei aller Unplanbarkeit - bin ich wieder frei, mich um das zu kümmern, was Gott für mich in dieser Welt zu tun hat. Es bleibt weiterhin schwierig, sehr schwierig. Aber darum kann, brauche und will ich mich nicht sorgen.

Bahnhofsausfahrt, Signale

In Zeiten wie diesen

Das Corona-Virus, das sich derzeit rasch über den gesamten Globus verbreitet, beeinträchtigt in nie da gewesenem Ausmaß die Wirtschaft, das soziale Miteinander und unsere Mobilität. Auch unsere Glaubensaktivitäten bringt die Pandemie fast zum Stillstand. "Rien ne va plus!" - Nichts geht mehr! Stellt das Gottes Ruf in Frage? Bindet das auch sein Handeln in dieser Welt?

Nein. Das glaube ich nicht.

Gott führt und handelt weiterhin, auch und gerade in dieser Zeit. Darauf vertraue ich.

Ich wurde in den vergangenen Tagen auf das Buch Ester der Bibel aufmerksam. Das Volk Israel, damals in babylonischem Exil, stand kurz davor, ausgelöscht zu werden. Ester, eine jüdische junge Frau, war Königin am babylonischen Hof geworden und war die Einzige, die in der Lage war, beim König zu intervenieren. Ging man jedoch damals auf eigene Initiative zum König, ohne gerufen worden zu sein, konnte es das Todesurteil bedeuten. In dieser Situation sagt Mordechai, ihr Ziehvater, zu ihr: "Wer weiß, ob du nicht für eine solche Zeit zur Königswürde gelangt bist!"

Gott kennt sich mit der Weltgeschichte bestens aus. Meine Tante sagte mir vor einigen Tagen am Telefon: "Gott kann auch um die Ecke schauen!" Auch wenn es schwer fallen mag, es anzunehmen: In Zeiten wie diesen sind gerade die Menschen, die den Zugang zum König des Himmels, zu Jesus Christus haben, diejenigen, die in der Lage sind, betend zu intervenieren und ihrer Berufung zu folgen.

Schaut Euch noch einmal das Artikelfoto an. Alle Signale stehen auf Halt. Nein. Eines nicht - es zeigt oranges Licht. Das ist zwar nicht "freie Fahrt", es bedeutet aber, dass der Lokführer mit langsamer Geschwindigkeit an diesem Signal vorbeifahren und bis zum nächsten Signal "vorrücken" darf. Unser aller Lage ist damit vergleichbar. Bleiben wir nicht aus Angst im Bahnhof unseres Lebens und unserer Berufung stehen, sondern rücken vor, nach den uns unter diesen Umständen gegebenen Möglichkeiten.

Ich wünsche Euch viel Kreativität (ich bin überzeugt, die habt Ihr) beim Nachdenken und Handeln. Bleibt unter Gottes Schutz bewahrt.

Two by Two

"Zu zweit", das ist die Übersetzung des englischen "two by two", und es bezieht sich auf Jesu Aussendung der 70 Jünger, die er jeweils zu zweit aussandte. (Lukas 10, 1-24)

ZU ZWEIT ist man das kleinstmögliche Team: Wenn einer fällt, so ist noch einer da, der ihm aufhilft, und beide werden nicht so leicht überwunden. Ich bin sicher, Jesus hatte genau daran gedacht, als er die siebzig Jünger jeweils zu zweit in die umliegenden Dörfer und Städte schickte. Teamarbeit also steht für Effizienz, Nachhaltigkeit und Durchhaltevermögen.

Besser noch, wenn Jesus "der Dritte im Bund" ist: "Ich habe von Gott alle Macht im Himmel und auf der Erde erhalten. DESHALB geht zu allen Völkern und ruft sie auf, mir nachzufolgen."

Logo

Diese Gedanken haben wir als Grundlage für unser Logo und das Thema unseres Blogs gewählt: Zwei um zwei, das Kreuz Jesu und der Weg zu den Dörfern und Städten, auf den Jesus uns gesandt hat.

Alexander Breitenbach

12. Oktober 2019



Foto: Alexander Breitenbach

Der Würfel ist gefallen

Voller Erwartungen machten wir uns auf den Weg nach Stuttgart zum Vorstellungsgespräch bei Christliche Fachkräfte International (CFI). Evelyn und ich wollten im Bereich Missions- oder Entwicklungsdienst arbeiten und hatten schon lange zu Gott um Führung gebetet. Verschiedene Möglichkeiten hatten wir schon in Erwägung gezogen, bis wir die Stellenanzeige von CFI gesehen hatten. Sie suchtn einen Medienfachmann für die Philippinen. Wir bewarben uns und zu unserer großen Freude erhielten wir eine Einladung zum Gespräch.

Wir hatten ein sehr gutes und ausführliches Gespräch - und, gewürfelt um die Entscheidung haben wir nicht, auch wenn wir diesen netten Würfel mit CFI-LOGO geschenkt bekommen haben. Wir haben viel gebetet, bevor wir diese Entscheidung getroffen haben. Wir würden angenommen, wir haben zugestimmt, es fehlte aber noch die Zustimmung der Partnerorganisation in Manila, Philippinen. Und das dauerte. Vor Ungeduld anrufen und nachfragen wollte ich auch nicht. So warteten wir. und beteten.

Einige Wochen später wurden wir angefragt, ob wir uns einen Einsatz in Tansania vorstellen könnten. Ups, dachte ich, daß ist ja doch ziemlich weit von den Philippinen weg. Sagste Evelyn erst mal nix davon. Ich hab's ihr aber dann am Abend doch gesagt. Das erwartete "Gewitter" blieb aus. Wieder dachten wir nach, verglichen und beteten. Und wir fanden, dass die Projekte zwar ähnlich waren, aber das in Afrika doch in mehreren Punkten besser zu uns passte:

  • wir beide sind in das Projekt eingebunden.
  • es ist eine überwiegend von Muslimen bewohntes Gebiet und Evelyn sieht sich seit langem zu Muslimen berufen.
  • die dort lebende Volksgruppe der Swaheli gehört zu den am wenigsten erreichten Tansanias.

Wir sagten zu - und wir erhielten auch von der Projektleitung in Tansania eine Zusage.

Alexander Breitenbach

12. Oktober 2019




Vorbereitungskurs in Friolzheim - Andacht im Freien. Foto: Evelyn Breitenbach